Und nun zurück zum Alltag

Schauen wir ihn uns mal genauer an, den Alltag. Wir beschließen, eine Straße aufzusuchen, da diese das alltägliche Bild deutlich wiederspiegelt.

Wir suchen uns eine volle, laute und hektische Straße aus. Eine Straße, in der sämtliche Individuen hastig umherlaufen, speisen, Kaffee trinken, Termine wahrnehmen müssen, sich mühsam den Weg bahnen, auf der von Passanten überfüllten Straße. Verständlich.

Es gibt eine Menge zu sehen. Zum Beispiel Menschen. Jeder von ihnen geht seinen Verpflichtungen nach. Sei es, am Imbissstand Bratwurst zu verkaufen, oder auf dem Boden, mit traurig dreinblickendem Hund, zu sitzen und auf eine Spende zu hoffen. Der Alltag eben.

Fotofunia

Wir mögen den Alltag. Und, auch wenn wir es nicht gerne zugeben, er liegt uns am Herzen. Wir kehren sogar freiwillig zu ihm zurück, sobald sich etwas Unangenehmes anschleicht.

Ein Mann verschafft sich im Getümmel einen Vorteil, indem er das Portemonnaie der vor ihm gehenden Dame unbemerkt greift. Wir gehen weiter.

Eine ältere Person steht an der Bahnhaltestelle, wo sie wohl seit geraumer Zeit sehnsüchtig auf einen Sitzplatz hofft. Glücklicherweise konnten wir rechtzeitig einen für uns beschlagnahmen. Beinahe wären wir noch voller Erschöpfung vom ausgiebigen Shoppen kollabiert. Der Opa steht ja immer noch! Er wird schon nach einem Platz fragen, wenn es doch so dringend ist.

Wir können aus der Ferne, in einer unscheinbaren Seitengasse, einige Schüler wahrnehmen, die sich daran erfreuen, sich zu Viert auf einen Wehrlosen zu stürzen, ihm anschließend seinen Rucksack entreißen und sich blitzschnell aus dem Staub machen. Das Gelächter ist immer noch zu hören. Wir haben leider keine Zeit. Wenn da doch nicht dieser äußerst wichtige Termin wäre, dann …

Wir kommen vorbei an eine Baustelle, die zurzeit nicht im Betrieb ist. Dort ist es sehr sandig. Ein voll bepackter Student verliert auf seinem Fahrrad die Kontrolle. Er bremst scharf und stürzt unglücklich. Wir haben uns die Erste Hilfe nie zu Herzen genommen. Sollen wir uns jetzt etwa vor Publikum lächerlich machen und im schlimmsten Fall nervige Belehrungen von Schlaueren einholen?

Und nun zurück zum Alltag. Doch wir stellen fest, dass wir bereits in ihm sind …

Kümmere Dich ums Opfer!

Einige Ratschläge zur Zivilcourage sind theoretisch bekannt: Ruhe bewahren, die Angreifer nicht körperlich berühren, andere Zuschauer direkt ansprechen und sie zu konkreten Handlungen aufrufen, wie etwa die Polizei verständigen.

Ein weiterer Ratschlag: kümmere Dich ums Opfer nicht um den Täter! Hier ein Beispiel, wie das gehen könnte:

 

Aber jetzt seid ihr gefragt! Wie findet Ihr die Idee des Jungen?
Welche Vorwände fallen Euch ein, wie dem Mädchen geholfen werden könnte?

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Zeichen in Sachen Zivilcourage

Da ist es nun, das konsequent und schnell herbeigefügte Urteil im Fall D. Brunner. Hohe Haftstrafen wegen Mord und Körperverletzung mit Todesfolge. D. Brunner musste sein Leben lassen, weil er sich schützend vor eine Gruppe Schüler stellte, aber eben auch, weil  D. Brunner der erste war, der mit einem Faustschlag ins Gesicht und einem Tritt gegen den Oberschenkel die Gewaltspirale anheizte.

Vieles wurde seit dem zum Thema Zivilcourage diskutiert, ein Denkmal wird aufgestellt und es bleibt die Frage, warum niemand auf dem zu dieser Zeit gut besuchten S-Bahnhof in Solln zu Hilfe gekommen ist, schlimmeres vermieden hat. Genau dies wollen wir mit euch diskutieren, ob auf Facebook oder hier im Projektblog.